
Journal · Post #006 · Interview
Mathias Gottwald spricht selten so. Ungefiltert. Direkt. Über Systeme, die seiner persönlichen Einschätzung nach gegen Menschen arbeiten. Über den Zaun im Kopf, den wir selbst gebaut haben. Über Konditionierung, Familie, Verlust und Freiheit. Über den größten Verlust seines Lebens — und was er ihm gegeben hat. Katharina Schäffler hat zugehört.
Redaktioneller Hinweis: Alle Aussagen in diesem Interview sind persönliche Meinungen, subjektive Einschätzungen und individuelle Erfahrungswerte von Mathias Gottwald. Sie stellen keine Tatsachenbehauptungen, keine verifizierten Prognosen, keine medizinischen Empfehlungen und keine Finanz-, Rechts- oder Anlageberatung dar. Das Gespräch wurde bewusst in seiner ursprünglichen Tiefe wiedergegeben.
Katharina Schäffler
Herr Gottwald, die Welt brennt gerade an allen Ecken. Nahost, Trump, Europa, Wirtschaft. Viele Menschen fühlen sich überfordert. Sie sagen, das ist kein Zufall. Was meinen Sie damit?
Mathias Gottwald
Meiner persönlichen Überzeugung nach erleben wir gerade einen globalen Transformationsprozess — ich nenne es einen globalen Reset. Ich beobachte und kommuniziere bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen schon seit Jahren. 2012, dann 2017, dann 2019. Damals habe ich in meinem Umfeld auf Entwicklungen hingewiesen, die ich für wahrscheinlich hielt: stärkere staatliche Kontrolle, Einschränkungen bei Mobilität und Unternehmertum, neue gesundheitliche Krisen. Vieles davon ist so eingetreten. Das bedeutet nicht, dass ich die Zukunft kenne. Es bedeutet, dass ich versuche, Systeme zu lesen. Und meine persönliche Einschätzung heute ist: Die Agenda läuft weiter. Unabhängig davon, ob die Straße von Hormus offen ist oder nicht.
Anm. d. Red.: Die hier geäußerten Einschätzungen sind persönliche Meinungen. Sie stellen keine gesicherten Prognosen oder Tatsachenbehauptungen dar.
Katharina Schäffler
Sie werden dafür oft als Querdenker bezeichnet. Wie gehen Sie damit um?
Mathias Gottwald
Menschen, die früher als andere auf bestimmte Entwicklungen hinweisen, werden oft zuerst belächelt. Im ersten Jahr. Im zweiten. Im dritten. Im fünften Jahr zweifeln die ersten. Im achten sagt man: Oh, du hattest ja recht. Das ist ein Muster, das sich wiederholt. Was ich daran traurig finde: nicht dass ich recht hatte — sondern dass das Äußern einer Meinung in unserer Gesellschaft immer häufiger soziale Konsequenzen hat. Menschen die frei denken, die Dinge hinterfragen, die kommunikativ provokativ sind — das sind die Störfaktoren. Dabei sind es genau die, die am Ende des Tages die Zusammenhänge sehen. Das kann man mögen oder nicht. Aber es ist eine Beobachtung, die ich für bedeutsam halte.
Katharina Schäffler
Wer ist das „Wir", von dem Sie sprechen — wenn Sie sagen, wir haben das 2012, 2017, 2019 kommuniziert?
Mathias Gottwald
Das ist die Gottwald Holding LLC. Ein globales Netzwerk von Menschen — vom CEO einer internationalen Bank bis zum Menschen, der morgen früh seinen Rasen mäht. Was sie verbindet, ist nicht ihr Einkommen oder ihr Titel. Es ist die Fähigkeit zu denken. Und ich halte von Titeln grundsätzlich wenig. Meine Erfahrung ist: Umso mehr akademische Grade jemand hat, desto weniger denkt er oft wirklich selbstständig. Das klingt provokant — aber es ist eine ehrliche Beobachtung aus vielen Jahren und vielen Gesprächen.
Katharina Schäffler
Sie sprechen von Systemen, die gegen Menschen arbeiten. Was ist die tiefste Ursache davon — in Ihrer Einschätzung?
Mathias Gottwald
Die Konditionierung des Menschen. Meine persönliche Überzeugung ist, dass die wenigsten Menschen jemals wirklich wissen, wer sie sind. Nicht weil sie dumm sind — sondern weil sie nie die Gelegenheit hatten, das herauszufinden. Wir werden von Geburt an geprägt: von Familie, Schule, Medien, gesellschaftlichen Erwartungen. Das ist keine Verschwörung — das ist einfach wie soziale Systeme funktionieren. Wer diesen Prägungen nicht bewusst begegnet, der lebt nach fremden Skripten. Ein Psychiater hat mir einmal etwas gesagt, das ich nie vergessen habe: Warum glaubst du, dass das dein Problem ist — wenn die schwierige Beziehungsgeschichte deiner Eltern älter ist als du selbst? Das hat mich getroffen. Weil es so präzise ist.
Katharina Schäffler
Sie haben von Familie gesprochen, die Sie in schwierigen Momenten nicht verstanden hat — oder aktiv dagegen gearbeitet hat. Was hat das mit Ihnen gemacht?
Mathias Gottwald
Ich habe ein Buch gelesen, dessen Kernbotschaft mich sehr geprägt hat: Scheiß drauf. Nicht als Gleichgültigkeit — sondern als Befreiung. Heute tun mir solche Menschen leid. Wenn ich Zeit habe und daran denke, nehme ich sie in mein Gebet auf. Und das war es. Nicht weil ich kalt bin — sondern weil ich gelernt habe, dass ich für fremde Entscheidungen nicht verantwortlich bin. Das gilt für Familie genauso wie für Nachbarn, Geschäftspartner oder Bekannte. Jeder entscheidet selbst, wie er lebt und wie er mit anderen umgeht. Meine Energie gehört den Menschen und Projekten, die wirklich zählen.
Katharina Schäffler
Wie erkennt man echte Verbündete — Menschen, denen man in dieser Zeit wirklich vertrauen kann?
Mathias Gottwald
Nicht durch das, was jemand sagt — sondern durch das, wie jemand reagiert. Mimik, Körpersprache, Atmung — wie verändert sich jemand, wenn man ein unbequemes Thema anspricht? Ich bin sensibilisiert dafür, weil ich es lernen musste. Auf dem schweren Weg. Mein Ansatz heute: Ich sage nicht. Ich frage nur. Wer sagt, ist angreifbar. Wer fragt, führt. Das ist meine persönliche Erfahrung — kein allgemeingültiges Rezept, aber ein Prinzip, das mir geholfen hat.
Katharina Schäffler
Viele Menschen wissen, dass etwas nicht stimmt — handeln aber nicht. Warum, glauben Sie?
Mathias Gottwald
Angst. Angst ist der größte Treiber dafür, dass Menschen in ihrer Komfortzone bleiben. Eigens konstruierte Käfige, in denen sie sich bewegen — nicht weil jemand sie zwingt, sondern weil das Verlassen Konsequenzen hätte: soziale, familiäre, wirtschaftliche. Das Bild, das ich dafür nutze: Ein Tier, das sein ganzes Leben in einem Käfig war. Der Käfig wird geöffnet. Der Zaun ist weg. Aber das Tier läuft immer noch in denselben fünf Quadratmetern. Weil der Zaun im Kopf geblieben ist. Das ist keine Kritik — das ist menschlich. Aber es ist erkennbar. Und es ist veränderbar. Wer beide Seiten seiner Medaille — die helle und die dunkle — wirklich betrachtet, anerkennt und annimmt, der kann beginnen zu entscheiden, was er loslässt. Nur wer weiß, kann lassen.
Katharina Schäffler
Sie beschreiben eine Methode der inneren Stille. Was ist das konkret — und wie sind Sie dazu gekommen?
Mathias Gottwald
Ich habe zehn Jahre gebraucht, um einen Weg zu finden, wirklich nichts zu denken. Zehn Jahre. Das klingt lange — und es war lang. Aber dann war es plötzlich so simpel, dass ich selbst überrascht war. Man legt sich hin, bequem, total entspannt. Rechte Hand aufs Herz. Linke Hand auf den Bauchnabel. Augen zu. Und dann gibt man dem Kopf einen klaren Befehl: Wir hören jetzt auf zu denken. Der Kopf meldet sich natürlich — mit Gedanken, Sorgen, Aufgaben. Und man antwortet ruhig: Ich hab dich gehört. Die Einkaufstüte — ist gespeichert, kümmern wir uns später drum. Das Streitgespräch — notiert, kommt später. Keine Wiederholungen. Echte Ruhe. Sind wir uns einig? Und dann — wenn dieser Moment wirklich kommt — fängt das Herz an zu arbeiten. Nicht das Gehirn. Das ist für mich persönlich der direkteste Weg zu mir selbst.
Anm. d. Red.: Die beschriebene Praxis ist eine persönliche Erfahrung von Mathias Gottwald. Sie ersetzt keine medizinische, therapeutische oder psychologische Fachberatung.
Katharina Schäffler
Was passiert, wenn dieser Moment kommt — wenn der Kopf wirklich still wird?
Mathias Gottwald
Es wird unfassbar laut. Entschuldigung, ich muss gerade lachen — aber es stimmt. Es wird anders laut. Der Geist ist still. Der Körper ist entspannt. Und dann fängt etwas an zu tanzen — das Organ, das keiner operieren kann. Weil noch nie jemand den Herzschmerz operativ entfernen konnte. Das Herz beginnt zu tanken. Es ist ein Gefühl wie ein Kleinkind bei einer totalen Überraschung. Rein. Unvermischt. Ohne Bewertung. Ich wünsche dieses Gefühl jedem Menschen auf dieser Welt. Nicht als Versprechen — als Einladung, es selbst auszuprobieren.
Katharina Schäffler
Wenn jemand diese Stille erlebt — wie verändert sich danach der Blick auf die Welt? Auf Krisen, Politik, Menschen?
Mathias Gottwald
Man sieht vor allem Trauer. Und Schmerz. Und Enttäuschung. Weil man weiß: Jeder Einzelne von uns könnte das alles beenden. Jetzt sofort. Wenn morgen früh um 9 Uhr kein Mensch auf dieser Welt mehr eine Waffe in die Hand nimmt. Wenn kein Mensch mehr einen anderen mobbt, beleidigt, erniedrigt. Wenn jeder jedem ein Lächeln schenkt — weil es nichts kostet, aber viel bringt. Wenn jeder anfängt, Dinge anders zu machen — nicht weil er muss, sondern weil er kann. Das ist keine Utopie. Das ist eine Entscheidung. Die jeder treffen kann. Jetzt.
Katharina Schäffler
Sie sagen, Kriege und Konflikte beginnen innen. Was meinen Sie damit?
Mathias Gottwald
Das ist meine tiefste persönliche Überzeugung: Aggression, Hass, Spaltung, Kriege — das sind Reaktionen von Menschen, die ihren eigenen Schatten nie wirklich kennengelernt haben. Die ihre dunkle Seite nie angeschaut, nie anerkannt, nie angenommen haben. Jeder Mensch hat eine gute und eine schlechte Seite. Das ist keine Schwäche — das ist menschlich. Aber erst wenn man beide Seiten wirklich betrachtet, anerkennt und annimmt, kann man entscheiden, wann man in welchem Moment was loslässt. Und dann — erst dann — kann man wirklich frei handeln. Statt aus Angst, Unsicherheit oder dem Wunsch nach Machterhalt.
Katharina Schäffler
Ist Frieden auf dieser Welt überhaupt möglich — solange wir nicht zuerst jeden einzelnen Menschen in die innere Arbeit führen?
Mathias Gottwald
Ich glaube, wenn die Message — und der Kern ist das Fühlen, nicht das Denken — wenn die ankommt: Ja. Jeder Mensch liebt. Jeder Mensch hat dieses bekannte Organ, das keiner operieren kann, aber jeder hat. Jeder. Ausnahmslos jeder. Und wenn jeder wieder anfängt, da zu fühlen — nur da zu fühlen — und wenn das, was er fühlt, nur das Beste in sich und für sich selbst ist: Wie kann das jemals schlecht für jemanden anderen sein? Das ist nicht möglich.
Katharina Schäffler
Sie haben alles gehabt und alles verloren. Was hat Ihnen der größte Verlust gegeben?
Mathias Gottwald
Die Sicherheit, den Glauben zu haben, zu wissen, wer ich bin.
Katharina Schäffler
Was gibt Ihnen trotz allem Hoffnung?
Mathias Gottwald
Ich bin heute, laut dem gregorianischen Kalender, etwas über 44 Jahre alt. Ich habe alle Höhen erlebt. Und alle Tiefen. Und in jedem Tief gab es einen Moment, in dem es weiterging. Immer. Weil es kein Ende gibt. Du wurdest nie geboren, weil du immer bist. Und weil du immer bist, kannst du auch nicht sterben. Und wenn man das wirklich versteht — dann fragt man sich: Wer hindert mich eigentlich? Wer limitiert mich? Und die Antwort ist: Niemand. Außer dem Zaun im eigenen Kopf. Und den kann man öffnen.
Katharina Schäffler
Was ist Ihre Botschaft an die Welt?
Mathias Gottwald
Stopp. Jetzt. Stopp. Die ganze Welt. Jeder einzeln. Egal wer was getan hat. Egal wer was war. Egal wer wo ist. Jetzt. Ab jetzt kümmerst du dich nur mehr um die Menschen, die du liebst. Die dir wirklich wichtig sind. Die dir im Herzen liegen. Du machst nur mehr das, was dir eine Aufgabe gibt, was dir ein Gefühl gibt. Wo du dich zu Hause fühlst. Du machst nur mehr das, was in jedem Moment deines Seins ein Gefühl deines Seins erzeugt. Und wenn das immer der Fall ist — dann bist du in jedem Moment. Und wenn du das bist, dann bist du alles. Volle Kraft voraus.
Einordnung in einem Satz
Nur wer weiß, kann lassen — und nur wer lässt, wird frei.
Rechtlicher Hinweis
Dieses Interview gibt ausschließlich persönliche Meinungen, Einschätzungen, Erfahrungswerte und Überzeugungen von Mathias Gottwald wieder. Alle geäußerten Perspektiven sind subjektive Sichtweisen ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder allgemeine Gültigkeit. Die beschriebenen persönlichen Praktiken und Methoden ersetzen keine medizinische, therapeutische, psychologische, rechtliche oder finanzielle Fachberatung. Für Entscheidungen, die auf Grundlage dieser Inhalte getroffen werden, wird keine Haftung übernommen. Eigentümer und Herausgeber: GOTT WALD Holding LLC, Tiflis, Georgien.
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